City Makers – Unterkunft für Odachlose in Delhi

Ein Leben auf den Straßen Delhis ist unbarmherzig, brutal und gefährlich. 100 000 Menschen in dieser Stadt sind obdachlos, die meisten Frauen und Kinder. „Indien hat die höchste Anzahl an Straßenkindern auf der Welt“, so Prakash Singh. „Aber das kehrt man an offizieller Stelle einfach unter den Tisch.“

Ein sicherer Schlafplatz für Obdachlose. Der Einsatz der IGSSS für die City Makers hat Erfolg. Indiens Regierung muss nun auch selbst Schlafplätze für City Makers errichten.
Sichere Obdach und ein offenes Ohr. Notunterkunft in Delhi.

Indu Prakash Singh weiß, wovon er spricht. Er arbeitet für die IGSSS. Seit über zehn Jahren setzt er sich für die Armen der Stadt, für die Obdachlosen ein, versucht ihnen eine Stimme zu geben, ihnen zu ihren Rechten zu verhelfen.

Was wäre Delhi ohne all diese Menschen?

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zur Vertreibung von Obdachlosen, viele wurden sogar ohne jeglichen Grund eingesperrt. Plätze und Gehsteige voller Obdachlose – das  passt wahrlich nicht in das Bild einer aufstrebenden Metropole, die sich – geht es nach den Regierenden - mit internationalen Städten wie London oder New York messen möchte. „Aber was wäre Delhi ohne all diese Menschen?“ so Singh, der nicht müde wird zu betonen, dass ein Großteil der Obdachlosen auf Delhis Straßen sehr wohl arbeitet. Dennoch ist ihr Lohn zu gering für ein Dach über dem Kopf – und sei es nur für eine Hütte in einem der zahlreichen Slums. „Ohne all die Rikschafahrer, Gemüsehändler, Straßenarbeiter – die Stadt hätte sich niemals zu dem entwickelt, was sie heute ist!“ Motor der Entwicklung seien die sogenannten ‚City Makers‘. Sie arbeiten Tag und Nacht für einen sehr geringen Lohn.

Die Not der Obdachlosen ist ein Geschäft für andere: Schlafplätze werden vermietet, ebenso Decken oder Plastikfolien zum Schutz vor Kälte und Regen. Regierungsprogramme zur Linderung der Not bezogen sich bis zuletzt vor allem auf den ländlichen Raum. Das Anwachsen der städtischen Probleme, die sich nicht nur auf Groß-, sondern vor allem auch auf mittlere und kleinere Städte beziehen, wird von der Politik nicht ausreichend zur Kenntnis genommen. Wie viel diese Menschen für die Stadt leisten, um sie lebenswert zu machen (z.B. den Müll beseitigen), wird weder von den Institutionen noch den Bewohnern akzeptiert werden.

Totz Arbeit keine Unterkunft

Obdachlos in Dehli heißt nicht arbeitslos. Aber der Lohn eines Rikschafahrers oder eines Müllsammlers reicht oft nicht für ein Dach über dem Kopf.
Nachts auf den Straßen Delhis. Ein Rikschafahrer

Die IGSSS engagiert sich langfristig für und mit dieser Zielgruppe.  Dies befähigt die Bewohner/innen städtischer Armensiedlungen dazu, für ihre Rechte einzutreten. Thematisch umfasst dies vor allem das Recht auf Wohnen, gesundheitliche Versorgung und (Aus-)Bildung sowie den Zugang zu entsprechenden Regierungsprogrammen bzw. den Einsatz für die Schaffung solcher öffentlicher Programme und Infrastrukturverbesserungen für die Armen. Auch eine Gemeinschaftsküche als Schutzraum und Unterkunft für Frauen mit Kindern wird unterhalten. Für die Zielgruppe der Obdachlosen steht hier der Bau von Sammelunterkünften für die Nacht modellhaft im Vordergrund.

Erfolge für die IGSSS:
Rechtsberatung und Lobbyarbeit für die CityMakers zeigt Wirkung

Die von IGSSS geförderten Nachtunterkünfte (9 temporäre und 6 permanente für ca. je 100 Obdachlose) in Delhi und ein weiteres in Mumbai entfalten auch politisch Signalwirkung: So hat die Stadtverwaltung in Delhi nach dem Vorbild/Modell von IGSSS und auf deren Druck selbst angefangen, solche Sammelunterkünfte in Zelten und in leer stehenden Gemeindezentren zu errichten. Es wurden Schlafplätze für mindestens 4.000 Obdachlose geschaffen. Der bisher größte Erfolg gelang im Januar 2010: Auf der Grundlage einer Studie von IGSSS zur Obdachlosigkeit in Delhi hat der Oberste Gerichtshof Indiens angeordnet, dass die Regierungen aller Bundesstaaten  bis dieses Jahr Nachtunterkünfte für Obdachlose schaffen müssen. Mit fester Vorgabe: für 100.000 Einwohner soll je eine Nachtunterkunft mit 50 Schlafmöglichkeiten geschaffen werden!

IGSSS – ein langjähriger Partner

Die non-profit Organisation Indo-Global Social Service Society (IGSSS)  wurde 1961 gegründet. Sie arbeitet zur Zeit in 17 indischen Bundesstaaten. Schwerpunkte sind

  • die nachhaltige Ernährungssicherung
  • Jugendprogramme
  • Menschenrechte und
  • städtische Armut.

Das Ziel ist dabei immer, die Menschen zu befähigen, ihre Rechte, Chancen und Interessen selbst wahrzunehmen. Seit zwei Jahren kümmert sich ein eigenes Team darum, die Anfälligkeit für Katastrophen und Unfälle zu verringern.
Mehr über die IGSSS erfahren sie hier

 

REPORTAGE

Der Überlebenskampf in der Großstadt, die Angst der Obdachlosen in Nacht und die Arbeit der IGSSS.

Von Daniela Singhal, Fotos von Daniel Etter

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"Die City Makers von Delhi" (pdf, 3,2 MB)